Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Herr Gebhart, ich habe immer das Gefühl, dass die CDU/CSU immer dann gegen Bürokratie ist, wenn ihr etwas nicht passt; aber in der Debatte vorher, als es um den Schutz und die Integration Geflüchteter ging, konnte es Ihnen nicht kompliziert genug sein. Ich finde, das lässt schon tief blicken; es ist auf jeden Fall nicht konsistent. Lassen Sie uns über Energieeffizienz sprechen. Der Eishersteller Florida Eis aus Berlin hat es geschafft: Er hat seine Produktionsfläche von 600 auf 4 000 Quadratmeter fast versiebenfacht; der Strombedarf ist aber gleich geblieben. Das ist Energieeffizienz. Anderes Beispiel: ZF hat bei der IAA ein Konzeptelektroauto vorgestellt, bei dem ein Drittel mehr Reichweite aus dem Akku gekitzelt wird, ohne den Akku verändert zu haben, allein mit Thermomanagement. Kurz gesagt: Es geht weniger Energie als Wärme verloren, es bleibt mehr Energie zum Fahren. Das ist Energieeffizienz. Das heißt, mehr aus der Energie zu machen, die wir einsetzen, oder weniger Energie einzusetzen und trotzdem das Gleiche oder mehr zu schaffen. Das müssen wir schaffen; denn wir wollen klimaneutral werden. Deswegen bauen wir erneuerbare Energien aus. Aber bis wir hier 100 Prozent haben, lohnt es sich, zu schauen, wo wir Energie und damit CO einsparen können. Es ist ganz klar: Wir wollen nicht Energie sparen, indem wir irgendwo das Licht ausmachen, sondern wir müssen effizienter mit der Energie umgehen, die wir haben. Licht ist ein gutes Stichwort. In zu vielen Unternehmen hängen alte oder schlechte Beleuchtungssysteme. Die verbrauchen zu viel Energie, geben zu viel Wärme ab, sind übrigens oft schlecht für das Wohlbefinden der Beschäftigten, und sie gehen schneller wieder kaputt. Altes schwäbisches Gebot: Wer billig kauft, zahlt doppelt. Bei der Energieeffizienz geht es auch ums Geldsparen. In Sachen Energieeffizienz ist Deutschland in den letzten Jahren besser geworden. Gerade in der Energiekrise haben viele Unternehmen deutlich zugelegt. Trotzdem sind wir noch weit hinter unseren Möglichkeiten. Mir sagen einige Leute – Herr Gebhart, das ist das, was auch Sie gesagt haben –: Wenn man da so toll Geld sparen kann, dann müsste es doch von allein laufen. – Das tut es aber nicht. Zu viele Unternehmen schrecken noch vor Investitionen zurück, die sich erst nach drei oder mehr Jahren rechnen. Der Staat hilft hier ja schon mit gezielten Förderungen, um die Investitionen anzustoßen. Wir müssen aber auch klare Ansagen machen, weil wir sonst unsere Ziele nicht erreichen. Deswegen beschließen wir heute das Energieeffizienzgesetz. Erst mal: Was steht nicht drin? Das Gesetz verpflichtet niemanden als Privatperson. Privat effizienter mit Energie umzugehen, ist gut; aber wir sehen die großen Einzelenergiemengen bei Unternehmen, und bei Unternehmen sehen wir auch die bessere Möglichkeit, die nötigen Investments vorzunehmen. Noch mal: Das kann sich finanziell lohnen. Wer in Energieeffizienzmaßnahmen investiert, erzielt oft höhere Renditen, als wenn er dasselbe Geld am Kapitalmarkt anlegt. Deswegen verpflichten wir mit dem Gesetz Unternehmen und besonders Rechenzentren; aber kein Unternehmen bekommt irgendwelche Energiemengen gedeckelt oder konkrete Maßnahmen aufgezwungen. Und was mir wichtig ist: Der Staat geht mit gutem Beispiel voran; den verpflichten wir auch. Also, wie sieht das aus? Zuerst zum Staat. Natürlich muss er selbst erfüllen, was er von anderen verlangt. Darum setzen wir dem Bund und den Ländern Ziele, damit sie Energie sinnvoll einsparen. Öffentliche Stellen mit einem Verbrauch von über 1 Gigawattstunde pro Jahr müssen jährlich 2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr einsparen. Expertinnen und Experten sagen uns, der Staat und auch seine kleinen Kommunen hätten ein riesiges Potenzial, schon mit geringem Aufwand viel Energie und damit Energiekosten einzusparen. Dieses Potenzial wollen wir heute heben. Kommen wir zu den Unternehmen. Wir verpflichten Unternehmen mit einem hohen Energieverbrauch, Energie- oder Umweltmanagementsysteme einzuführen und ihre Energieeinsparmaßnahmen in konkreten Plänen zu erfassen und zu veröffentlichen. Es geht hier ganz bewusst nur um größere Unternehmen. Viele dieser Unternehmen haben heute schon Energiemanagementsysteme, weil es einfach sinnvoll ist. Konkrete Maßnahmen erzwingen wir nicht. Warum? Bei mir in der Nähe in Geislingen gibt es das Unternehmen Solera. Was es in Sachen Energieeffizienz abreißt, ist phänomenal. Es hat sogar ein Unternehmensgebäude so gebaut, dass der Wind hilft, es zu kühlen, um so im Sommer Energie einzusparen. Ich finde das großartig, und ich fände es großartig, wenn viele die Idee kopieren. Aber es ist ja auch klar, dass diese Lösung von Solera nicht zu jedem Unternehmen passt. Deswegen schreiben wir eben niemandem vor, wie er effizienter werden soll. Wir sagen Unternehmen nur: Schaut nach, wo bei euch Chancen liegen, und macht transparent, was ihr tut! Wir wissen, dass die Chancen da sind. – Deswegen sagen wir: Heben wir die Chancen! Beschließen wir heute das Energieeffizienzgesetz! Im Gesetz erwähnen wir eine Branche besonders oft; das sind die Rechenzentren. Lassen Sie mich sagen: Wir brauchen Rechenzentren in Deutschland. Ohne Rechenzentren keine Digitalisierung! Wir wollen und werden hier ein attraktiver Standort bleiben. Gleichzeitig haben Rechenzentren besondere Eigenschaften. In unserer Anhörung hat es ein Experte gut auf den Punkt gebracht: Rechenzentren sind Heizungen, die rechnen können. – In der Tat erzeugen Rechenzentren Unmengen an Wärme, die aber zu oft ungenutzt in die Umwelt entweichen. Darum geht es uns in diesem Fall um drei Dinge: Erstens. Rechenzentren müssen ihre Energie noch effizienter nutzen. Viele tun das bereits; da ist alles gut. Einige werden nachlegen müssen, und dafür gibt es Übergangsfristen. Zweitens. Neue Rechenzentren müssen ihre Abwärme nutzbar machen, wo es möglich ist. Hier gibt es jede Menge kluge Lösungen. Wenn ich ein Rechenzentrum habe, ist es doch doof, wenn ich die Wärme verpuffen lasse, um dann ein paar Hundert Meter weiter Gas zu verbrennen, um wieder Wärme zu erzeugen. Das können wir besser. Drittens. Wir wollen Rechenzentren transparenter machen. Selbstverständlich bleiben die Daten sicher. Aber Kundinnen und Kunden müssen besser einschätzen können, was da passiert, wofür sie bezahlen, was mit der Energie passiert. Wir machen heute einen ersten Schritt, und das ist ein sehr guter Schritt. Ich würde in Marketing-Denglisch sagen: Da geht es um Low-hanging Fruits, also um Ziele, die man sofort erreichen kann, und das tun wir. Aber ich sage auch: Wir müssen in weiteren Schritten die Früchte angehen, die weiter oben hängen. Denn sonst schlägt der Klimawandel zu und verdirbt uns die ganze Ernte. Also lassen Sie uns heute dieses Gesetz beschließen – – und dann erfolgreich weitermachen. Haben Sie vielen Dank.